„Nullzins für immer“ – jetzt lässt auch Amerika der Inflation freien Lauf

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In diesem Jahr ist alles anders, auch in der Welt der Notenbanken. Zwar findet die berühmte Konferenz der wichtigsten Währungshüter der Welt auch in diesem August trotz der Coronavirus-Pandemie statt. Aber statt im bewährten Luxusressort in Jackson Hole vor der malerischen Kulisse der Rocky Mountains kommen die Notenbanker diesmal nur virtuell in den Weiten des Internets zusammen. Dafür aber hatte es die Rede, die US-Notenbankchef Jerome Powell zur Einstimmung auf zwei Tage Notenbanking hielt, diesmal in sich. In einer historischen Rede kündigte er nichts weniger als einen Paradigmenwechsel in der amerikanischen Geldpolitik an. Statt wie bisher ein festes Inflationsziel von zwei Prozent anzustreben, will die Federal Reserve (Fed) demnach künftig flexibler werden und sich nach einem mehrjährigen Durchschnitt bei der Inflationsrate richten.

Nachdem in den vergangenen Jahren die Teuerung lange Zeit unter dem Ziel von zwei Prozent gelegen hat, heißt das nichts anderes, als dass die Fed eine höhere Inflationsrate anstrebt und die Zinsen auch dann niedrig halten wird, wenn sich die Teuerung beschleunigen sollte. „Jay Powell beendet die Geldpolitik mit ihrem bisherigen Fokus auf die Inflation“, kommentierten Marktteilnehmer die Worte des Notenbankchefs. „Nullzins für immer“, war andernorts zu hören.

Preisstabilität und Vollbeschäftigung als Ziel

An den Märkten löste die Botschaft des Fed-Chefs entsprechend heftige Reaktionen aus. Die Renditen für langlaufende Staatsanleihen schossen deutlich in die Höhe. Die Verzinsung der zehnjährigen US-Staatsanleihen legte auf 0,72 Prozent zu. Aktien gewannen deutlich an Wert. Das Börsenbarometer Dow Jones kletterte um 0,9 Prozent in die Höhe.

Auch Gold legte zwischenzeitlich kräftig zu. Inflation ist schlecht für Anleihen und weit weniger schädlich für Aktien, weil es sich bei Unternehmenspapieren um Realkapital handelt, dessen Wert nicht unter höheren Preisen leidet. Das Edelmetall gilt dagegen als Absicherung gegen Inflation.

„Dieser Wechsel soll deutlich machen, wie wichtig uns ein starker Arbeitsmarkt ist, insbesondere mit Blick auf die Haushalte mit niedrigem oder mittleren Einkommen“, begründete Powell den überraschenden Schwenk in seiner Rede. Tatsächlich strebt die Fed, anders als etwa die Europäische Zentralbank (EZB), seit jeher explizit zwei Ziele an: Preisstabilität und Vollbeschäftigung. Mit dem Wechsel in der eigenen Strategie dürfte es für die Fed-Lenker künftig einfacher werden, den Arbeitsmarkt stärker in die geldpolitischen Entscheidungen einzubeziehen.

Quelle: Infografik WELT

Quelle:  www.welt.de

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